Zehlendorfer Chorgesang, 135 Jahre lang
Jubiläum des Männergesangvereins Zehlendorf 1873

02.12.1873: Abends, 20 Uhr, trafen sich 24 sangesfreudige Herren und gründeten den Männer-Gesang-Verein Zehlendorf 1873 als ersten Verein im Dorf (ca. 2000 Einwohner). Man zahlte noch in Thalern und Silbergroschen. Erster Übungsabend: Am nächsten Tag. Ende Dezember hatte der Chor bereits 40 Sänger!
21.03.1874: Erstes öffentliches Konzert mit Tanz anlässlich des Ge-burtstags Sr. Majestät des Kaisers.
In den folgenden Jahren viele Aktivitäten mit Chorkonzerten, Stiftungsfesten, Maskenbällen, Wohltätigkeitsveranstaltungen, Kaisersgeburtstagsfeiern, Heldengedenktagen, Ausflügen und Dampferfahrten. Im Juli 1891 läuft ein Dampfer mit den Sängern und Familien an Bord vor Werder auf der Havel bei Sturm und Regen auf Grund. Glückliche Rettung aller.
03.12.1898: Großes Festkonzert zum 25jährigen Bestehen des MGVZ. Während der Gesangsvorträge blieben die Saaltüren geschlossen! Die Chronik und Festschrift zu diesem Ereignis ist erhalten geblieben.
Etwa ab 1907 bis Ende der 20er Jahre gab es einen schwarzen Sänger im Zweiten Bass. Er lebte als Pensionär in Zehlendorf und war früher Kammerdiener bei Prinz Karl, einem Bruder von Kaiser Wilhelm I.
Von Anfang an wurde oft bei Familienfeiern der Sänger gesungen, bei Hochzeiten, Silberhochzeiten und an Gräbern der Sangesbrüder. Das ist heute auch noch so.
Erster Weltkrieg: Der 2. Vorsitzende stirbt in Frankreich den Heldentod. Es gibt keine weiteren Unterlagen mehr aus dieser Zeit.
Etwa ab 1920 werden verstärkt Maskenbälle und bayerische Trachtenfeste in Dirndln und Lederhosen gefeiert. Einladungen in bayerischer Mundart. Es begann die Zeit der großen Chorreisen zu Gau- und Reichssängerfesten.
Ab 1930 werden große Konzerte gegeben. Erfolgreiche Wagnerabende, später mit Liedern der damaligen Zeit.
1935 wird ein Frauenchor innerhalb des MGVZ gegründet, der 1939 wieder aufgelöst wird.
Ab 1939: Sänger werden Soldaten. Bei Heimaturlauben werden sie vom Chor eingeladen. Vier Sänger kommen durch Kriegseinwirkungen zu Tode. Die Chorproben finden nur noch unregelmäßig statt.
1943: Kriegsbedingte Einstellung aller Chor- und Vereinsaktivitäten. Das Archiv mit vielen Unterlagen und allen Noten geht verloren.
1949/50: Die Sänger finden wieder zusammen, erhalten von den alliierten und deutschen Behörden die Genehmigung zur Weiterführung des Vereins. Man hatte keine Noten und kein Geld. Es ging nur langsam voran.
1952 wurde unter dem Dach des MGVZ der Frauenchor Zehlendorf gegründet. Männer- und Frauenchor unternahmen viel zusammen, es gab gemeinsame Veranstaltungen mit Auftritten auch als Gemischter Chor, gemeinsame Chorreisen und Ausflüge. Inzwischen legt der Frauenchor großen Wert auf seine Selbständigkeit.
In den 50er und 60er Jahren erlebte der Chor Höhen und Tiefen. Mal gab es bis zu 65 aktive Sänger, zu anderen Zeiten fielen Chorproben aus, aus Mangel an Beteiligung. Es gab große Auftritte bei Veranstaltungen in Berlin (West).
1973 feierte der Chor sein 100jähriges Bestehen mit mehreren großen Veranstaltungen. Die Zelter-Plakette, eine Auszeichnung des Bundespräsidenten für hervorragende Leistung im Chorgesang, wird dem Verein verliehen.
In den Jahren danach sang der Chor beispielsweise bei der Begrüßung des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter auf dem Kurfürstendamm. Dann sang man mit den Chören des Berliner Sängerbundes bei der Eröffnung der Schwimmweltmeisterschaft im Olympiastadion. Es gab auch ein gemeinsames Chorkonzert mit dem Königlichen Handwerkergesangverein aus Raeren in Belgien.
1980. Der Chor führt seine routinemäßigen Aktivitäten fort. Hinzu kommen Auftritte bei Städtepartnerschaftsreisen des Bezirksamts Zehlendorf. Höhepunkte der 80er Jahre sind die Teilnahme an der 750 Jahr-Feier Berlins 1987 und bei der 150 Jahr-Feier der preußischen Eisenbahn in Zehlendorf. Dabei traten unsere Sängerinnen und Sänger in historischen Kostümen auf.
1991 entstand eine intensive Chorfreundschaft zu dem Männerchor „Frohsinn" Teltow 1874. Es gab viele gemeinsame Chorproben, Herrenpartien und Reisen. Einige Sänger singen in beiden Chören. Der Teltower Chorleiter Horst Prell leitete über längere Zeit auch den Zehlendorfer Männer- und Frauenchor. Durch den Tod dieses langjährigen Chorleiters gab es mehrere Wechsel in diesem Amt.
2000: Der Chor hat 28 aktive Sänger. Einige verlassen den Verein, neue kommen dazu. 2001 konnte der junge Kirchenmusiker Helge Pfläging als Chorleiter gewonnen werden. Eine umfangreiche Chronik der Vereinsgeschichte wurde 2006 erstellt. Der Chor präsentiert sich im Internet optisch und akustisch unter
www.mgv-zehlendorf.de
Einmal im Jahr findet eine Chorreise statt. Im Mai veranstaltet der Verein regelmäßig eine Herrenpartie in die Umgebung. Dabei wird viel und gerne gesungen. Der Höhepunkt im Jahreslauf des Chores ist das große Konzert an jedem Ersten Advent in der Zehlendorfer Pauluskirche mit bis zu 500 begeisterten Zuhörern.
2008: Der MGVZ 1873 feierte am 11. Oktober sein 135jähriges Bestehen mit einem großen Stiftungsfest mit dem Frauenchor Zehlendorf, dem Männerchor Frohsinn Teltow, der Saarmann´schen Liedertafel und der Sängervereinigung Windheim aus dem Frankenwald im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf.

Berlin-Zehlendorf, im Sommer 2008
Rainer Markert

Inzwischen wurde an der Chronik "Die Meistersinger" weitergearbeitet und umfangreich ergänzt. Sie liegt nun als Buch mit 379 Seiten vor und ist zum Preis von 29 Euro plus Versandspesen beim MGVZ 1873 zu beziehen.


Ausserdem im:
Heimatverein Zehlendorf
Clayallee 355 14169 Berlin
Tel.: 802 24 41
 
und in der
Buchhandlung Holzapfel
Teltower Damm 27 14169 Berlin
Tel.: 811 57 14

Die Chronik kann auch im Internet unter http://de.calameo.com/books/0000753283f97555518ce gelesen werden.
Leserbrief:
Lieber Chronist,
Gratulation zu dieser Chronik! Da ist Ihnen und dem Gesangverein ein toller Wurf gelungen. Diese Chronik ragt weit heraus aus den Chroniken, die andere Zehlendorfer Vereine und Institutionen in den vergangenen Jahren veröffentlicht haben - und da stehen so einige in meinem Bücherregal,
Ein interessantes, sehr lesenswertes Element sind die Protokolle samt Porträtfotos von den Gesprächen mit
den einzelnen Sängern. Sie bringen viel Leben in die Chronik und geben neben der Vergangenheit, die in einer Chronik nun einmal den Hauptteil ausmacht, auch der Gegenwart den nötigen Raum. Diese Protokollnotizen
sind eine wahre Fundgrube für jeden Heimatforscher und für Hobby-Heimatkundler wie mir.
Die riesige Flut von Daten und Material in dem recht umfangreichen Bändchen ist flüssig zu lesen, nicht
zuletzt durch Ihren unverwechselbaren, sehr leichten Schreibstil, der in seinem Plauderton viele Leser schnell
vereinnahmen wird. Man legt die Chronik nicht so schnell aus der Hand, weil man hereinratscht in die
Vereinsgeschichte, die auch die Geschichte Zehlendorfs ist.
Ich wünsche dem MGVZ. dass er mit dem Verkauf der Chronik auf seine Kosten kommt und die Herausgabe zu keinem allzu großen, am besten zu gar keinem Verlustgeschäft wird. Und falls alle Exemplare rasch
vergriffen sein sollten: Eine Neuauflage lohnt und sollte dann in den Zehlendorfer Buchhandlungen für alle
Interessierten zu kaufen sein.
 
Lothar Beckmann , Redakteur